Gläser mit Kräutern gehören einfach in eine richtige Kräuterhexenküche. In einem schwimmen Ringelblumen in goldenem Öl, daneben wartet vielleicht schon ein Rosmarinmazerat auf seine weitere Verwendung. Und dann stehen da noch diese kleinen dunklen Fläschchen mit geheimnisvoll aussehenden Flüssigkeiten: Kräutertinkturen.
Dabei steckt dahinter keine Zauberei. Eine Kräutertinktur ist ein Pflanzenauszug, bei dem meist Alkohol oder ein Alkohol-Wasser-Gemisch als Auszugsmittel verwendet wird. Dadurch lassen sich teilweise andere Pflanzenbestandteile extrahieren als bei einem Kräuterölauszug.
Auch für selbst gemachte Kosmetik können solche Auszüge interessant sein. Allerdings solltest du Tinkturen nicht einfach wahllos in deine Cremes, Gesichtswässer oder Haarpflegeprodukte kippen. Alkohol hat besondere Eigenschaften, kann die Haut reizen und eine selbst gemachte Tinktur ersetzt nicht automatisch die notwendige Konservierung eines wasserhaltigen Kosmetikprodukts.
Schauen wir uns deshalb einmal genauer an, was in den kleinen Flaschen aus der Kräuterhexenküche tatsächlich steckt.
Was ist eine Kräutertinktur?
Eine Tinktur ist ein flüssiger Extrakt aus Pflanzenmaterial. Als Extraktionsmittel dient traditionell vor allem Ethanol, häufig gemischt mit Wasser.
Das Prinzip ist einfach: Blüten, Blätter, Wurzeln oder andere Pflanzenteile werden zerkleinert und für eine bestimmte Zeit in die Flüssigkeit eingelegt. Während dieser Mazeration können lösliche Bestandteile aus dem Pflanzenmaterial in das Lösungsmittel übergehen.
Dabei spielt die Zusammensetzung des Extraktionsmittels eine wichtige Rolle. Wasser und Alkohol besitzen unterschiedliche Lösungseigenschaften. Ein Alkohol-Wasser-Gemisch kann deshalb ein anderes Spektrum an Pflanzenbestandteilen aufnehmen als reines Öl oder reines Wasser.
Welche Stoffe tatsächlich extrahiert werden, hängt unter anderem von der Pflanzenart, dem verwendeten Pflanzenteil, dem Zerkleinerungsgrad, dem Verhältnis zwischen Pflanze und Extraktionsmittel, der Alkoholkonzentration sowie der Dauer und Temperatur der Extraktion ab.
Eine Kräutertinktur ist also keineswegs einfach nur „Kräuter in Schnaps“.
Was ist der Unterschied zwischen Tinktur und Kräuterölauszug?
Beide Methoden sehen auf den ersten Blick ähnlich aus: Du gibst Pflanzen in ein Glas, übergießt sie mit einer Flüssigkeit und lässt das Ganze ziehen.
Der entscheidende Unterschied ist das Auszugsmittel.
Beim Kräuterölauszug verwendest du ein fettes Pflanzenöl. Damit werden bevorzugt solche Pflanzenbestandteile aufgenommen, die eine entsprechende Affinität zu Fett besitzen.
Bei einer Tinktur kommen dagegen Alkohol beziehungsweise Alkohol und Wasser zum Einsatz.
Das bedeutet: Ein Ringelblumenmazerat und eine Ringelblumentinktur sind nicht einfach zwei unterschiedlich aussehende Versionen desselben Produktes. Ihre Zusammensetzung kann sich deutlich unterscheiden.
| Pflanzenauszug | Auszugsmittel | Typische Verwendung in DIY-Kosmetik |
|---|---|---|
| Kräuterölauszug | Pflanzenöl | Salben, Balsame, Körper- und Haaröle |
| Tinktur | Alkohol/Wasser | ausgewählte wasserhaltige Rezepturen |
| Aufguss | Wasser | kurzfristig hergestellte DIY-Anwendungen |
| Hydrolat | Destillationswasser | Gesichtswasser, Sprays und andere Kosmetik |
| ätherisches Öl | kein klassischer Mazerationsauszug | Duft und sehr gezielte kosmetische Verwendung |
Genau deshalb lohnt es sich, verschiedene Extraktionsmethoden zu kennen. Nicht jede Pflanze und nicht jedes DIY-Kosmetikprodukt verlangt nach demselben Auszug.
Warum werden Kräutertinkturen für DIY-Kosmetik verwendet?
Alkohol ist ein interessantes Extraktionsmittel, weil sich damit verschiedene Pflanzenbestandteile gewinnen lassen. Je nach Konzentration des Alkohols verändert sich, welche Bestandteile besonders gut extrahiert werden.
Für deine DIY-Kosmetik können Kräutertinkturen beispielsweise als Bestandteil von Gesichtswässern, Kopfhautprodukten oder bestimmten Cremes interessant sein.
Aber hier kommt ein großes Aber.
Eine Tinktur ist nicht automatisch sanft zur Haut, nur weil sie aus einer Heilpflanze hergestellt wurde.
Der Alkoholgehalt muss bei der gesamten Rezeptur berücksichtigt werden. Vor allem empfindliche oder trockene Haut kann auf hohe Alkoholkonzentrationen mit Brennen, Spannungsgefühl oder Irritationen reagieren.
Bei DIY-Kosmetik gilt deshalb: Mehr Tinktur bedeutet nicht automatisch mehr Pflanzenwirkung.
Welche Kräuter eignen sich für kosmetische Tinkturen?
Theoretisch lassen sich viele Pflanzen alkoholisch beziehungsweise hydroalkoholisch extrahieren. Für die Kosmetik solltest du dich jedoch auf Pflanzen konzentrieren, deren Verwendung auf der Haut sinnvoll und gut dokumentiert ist.
Ringelblume
Die Ringelblume gehört zu den Klassikern der traditionellen Hautpflege. Meist werden die Blüten verwendet.
Interessant ist hier besonders der Vergleich verschiedener Extraktionsverfahren: Du kannst aus Ringelblumen sowohl einen Ölauszug als auch eine Tinktur herstellen. Je nach späterem Produkt kann die eine oder andere Variante sinnvoller sein.
Kamille
Auch Kamillenblüten werden traditionell für Hautpflegeprodukte verwendet. Eine Tinktur ermöglicht eine andere Extraktion als ein Kamillenöl oder ein einfacher Teeaufguss.
Bei Korbblütlern solltest du allerdings mögliche individuelle Unverträglichkeiten berücksichtigen.
Rosmarin
Rosmarin passt besonders gut zu selbst gemachter Haar- und Kopfhautpflege. Neben Rosmarinöl und Rosmarinwasser kann auch ein alkoholischer beziehungsweise hydroalkoholischer Extrakt hergestellt werden.
Lavendel
Lavendelblüten lassen sich ebenfalls mazerieren. Eine Lavendeltinktur ist allerdings etwas völlig anderes als ätherisches Lavendelöl. Die beiden Produkte solltest du weder bei der Dosierung noch bei ihrer Verwendung gleichsetzen.
Salbei
Salbei wird häufig in Kosmetikprodukten für eher fettige Haut beziehungsweise in Deoprodukten eingesetzt. Für selbst gemachte Extrakte können die Blätter verwendet werden.
Brennnessel
Die Brennnessel ist besonders für DIY-Haarpflege interessant. Blätter beziehungsweise Kraut lassen sich auch alkoholisch extrahieren.
Frische oder getrocknete Kräuter für eine Tinktur?
Im Gegensatz zum Ölauszug ist die Verwendung frischer Pflanzen bei Tinkturen grundsätzlich weniger problematisch, denn Alkohol und Wasser sind ohnehin Bestandteil des Extraktionsmittels.
Trotzdem macht es einen Unterschied, ob du frische oder getrocknete Pflanzen verwendest.
Frische Kräuter bringen ihr eigenes Wasser mit. Dadurch wird der verwendete Alkohol verdünnt. Wenn du einfach dieselbe Menge Alkohol über frische und getrocknete Kräuter gießt, erhältst du deshalb nicht zwangsläufig vergleichbare Extrakte.
Für den Einstieg sind getrocknete Kräuter häufig leichter zu handhaben, weil ihr Wassergehalt deutlich geringer und die Herstellung besser reproduzierbar ist.
Außerdem lassen sie sich problemlos bevorraten. So kannst du deine Tinktur auch im Winter ansetzen, wenn die Kräuterhexe im Garten nicht viel zu ernten hat.
Welchen Alkohol kannst du für eine Kräutertinktur verwenden?
Für kosmetische Kräutertinkturen wird Ethanol verwendet. Wenn du zuhause mit Trinkalkohol arbeitest, solltest du ein unvergälltes und für diesen Zweck geeignetes Produkt mit bekanntem Alkoholgehalt verwenden.
Spiritus aus dem Baumarkt gehört selbstverständlich nicht in deine Kräuterkosmetik.
Wie hoch die Alkoholkonzentration sein sollte, lässt sich nicht pauschal für alle Pflanzen beantworten. Das hängt davon ab, welche Pflanze und welche Bestandteile extrahiert werden sollen.
Häufig werden Alkohol-Wasser-Gemische verwendet. Wasser unterstützt die Extraktion stärker polarer Stoffe, während Ethanol andere Verbindungen besser lösen kann. Durch das Mischungsverhältnis lässt sich das Extraktionsverhalten beeinflussen.
Deshalb solltest du bei konkreten Pflanzen möglichst mit einer fachlich passenden Rezeptur arbeiten und nicht davon ausgehen, dass „je stärker der Alkohol, desto besser die Tinktur“ gilt.
Kräutertinktur selber machen – die Grundmethode
Für einen einfachen Ansatz benötigst du nicht viel.
Du brauchst:
- getrocknete und eindeutig bestimmte Kräuter
- geeigneten Ethanol beziehungsweise ein passendes Alkohol-Wasser-Gemisch
- ein sauberes Glas mit dichtem Verschluss
- eine Waage
- einen Filter oder ein feines Tuch
- eine dunkle Flasche für die fertige Tinktur
- ein Etikett
Schritt 1: Kräuter vorbereiten
Zerkleinere das trockene Pflanzenmaterial. Kleine Pflanzenteile besitzen eine größere Oberfläche und kommen dadurch besser mit dem Extraktionsmittel in Kontakt.
Pulverisieren musst du deine Kräuter nicht unbedingt. Sehr feines Pflanzenpulver kann später sogar schwieriger zu filtern sein.
Schritt 2: Kräuter abwiegen
Wenn du deine Tinkturen reproduzierbar herstellen möchtest, solltest du nicht einfach eine beliebige Menge Kräuter in ein Glas stopfen.
Wiege dein Pflanzenmaterial ab und notiere die Menge.
Das Gleiche gilt für dein Extraktionsmittel.
So weißt du später wenigstens, wie du deine Tinktur hergestellt hast – und musst nicht versuchen, dich an das geheimnisvolle Rezept vom letzten Vollmond zu erinnern.
Schritt 3: Mit dem Extraktionsmittel übergießen
Gib die Kräuter in dein Glas und bedecke sie vollständig mit dem vorbereiteten Alkohol-Wasser-Gemisch.
Alle Pflanzenteile sollten Kontakt mit der Flüssigkeit haben.
Schritt 4: Tinktur ziehen lassen
Verschließe das Glas und lasse die Mischung mehrere Tage bis Wochen mazerieren. Die genaue Extraktionsdauer hängt von Pflanze, Pflanzenteil und Verfahren ab.
Traditionelle Tinkturen werden häufig über einige Wochen angesetzt.
Stelle das Gefäß vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt auf und schwenke es regelmäßig vorsichtig.
Schritt 5: Filtern
Nach der vorgesehenen Ziehzeit filterst du das Pflanzenmaterial aus der Flüssigkeit.
Ein feines Sieb kann für die erste Filtration ausreichen. Für kleinere Pflanzenpartikel kannst du anschließend ein geeignetes Filtermaterial verwenden.
Schritt 6: Abfüllen und beschriften
Fülle deine fertige Tinktur in eine saubere, dicht schließende und möglichst lichtschützende Flasche.
Auf das Etikett gehören mindestens:
Pflanzenname, Pflanzenteil, verwendetes Extraktionsmittel, Alkoholkonzentration beziehungsweise Mischung und Herstellungsdatum.
Noch besser ist es, wenn du zusätzlich das Verhältnis von Pflanzenmaterial zu Flüssigkeit notierst.
Dein zukünftiges Kräuterhexen-Ich wird es dir danken.
Kaltauszug oder Warmauszug bei Kräutertinkturen?
Wie beim Kräuteröl kann die Temperatur auch bei alkoholischen Extrakten eine Rolle spielen. Für die heimische Herstellung würde ich allerdings den klassischen Ansatz bei Raumtemperatur in den Mittelpunkt stellen.
Kalte Mazeration
Bei der klassischen Tinkturherstellung bleibt das Pflanzenmaterial über längere Zeit bei Raumtemperatur im Extraktionsmittel.
Vorteile:
Die Methode ist einfach, benötigt kaum Technik und vermeidet unnötige Erwärmung empfindlicher beziehungsweise flüchtiger Pflanzenbestandteile.
Nachteile:
Die Extraktion benötigt Zeit und das Ergebnis hängt stark von Pflanzenmaterial, Alkoholkonzentration und Ziehdauer ab.
Warme Extraktion
Wärme kann Extraktionsprozesse beschleunigen. Bei alkoholhaltigen Ansätzen ist das zuhause jedoch keine Methode, mit der du unbekümmert experimentieren solltest.
Ethanol ist leicht entzündlich.
Alkoholhaltige Flüssigkeiten gehören deshalb keinesfalls in einen offenen Topf auf den Herd oder in die Nähe von Flammen und anderen Zündquellen.
Für einfache selbst gemachte Kräutertinkturen ist die klassische Mazeration ohne Erwärmung die unkompliziertere Methode.
Kräutertinktur in DIY-Kosmetik verwenden
Jetzt steht dein kleines braunes Fläschchen im Schrank. Doch wie kommt die Tinktur in die Kosmetik?
Hier wird es etwas anspruchsvoller als beim Kräuteröl.
Ein Mazerat auf Ölbasis lässt sich beispielsweise relativ unkompliziert zu einer wasserfreien Salbe verarbeiten. Eine Tinktur enthält dagegen Alkohol und meist auch Wasser. Dadurch gehört sie in der Regel zur wässrigen beziehungsweise polaren Phase einer Rezeptur.
Sie kann beispielsweise Bestandteil bestimmter Gesichtswässer, Kopfhaut-Tonics, Sprays oder Emulsionen sein.
Die geeignete Einsatzkonzentration lässt sich allerdings nicht pauschal festlegen. Sie hängt von der Tinktur, ihrem Alkoholgehalt, der verwendeten Pflanze, dem fertigen Produkt und der Hautpartie ab.
Deshalb solltest du niemals nach dem Motto arbeiten: „Ein Esslöffel wird schon passen.“
Bei Kosmetik lohnt sich eine Waage.
Konserviert die Tinktur meine DIY-Kosmetik?
Das ist ein besonders wichtiger Punkt.
Alkohol besitzt antimikrobielle Eigenschaften. Daraus entsteht schnell der Gedanke:
Meine Tinktur enthält Alkohol, also brauche ich keinen Konservierer mehr.
So einfach ist es leider nicht.
Gibst du eine kleine Menge Tinktur in eine größere Menge Wasser, Hydrolat, Aloe-vera-Gel oder eine Creme, wird der Alkohol stark verdünnt. Die Konzentration im fertigen Produkt kann dann viel zu niedrig sein, um eine zuverlässige Konservierung zu gewährleisten.
Eine Tinktur ersetzt deshalb nicht automatisch ein geeignetes Konservierungssystem.
Sobald du wasserhaltige DIY-Kosmetik herstellst, musst du dich mit mikrobiologischer Stabilität und geeigneter Konservierung beschäftigen.
Schimmel ist übrigens nur eines der möglichen Probleme. Bakterien oder Hefen können sich vermehren, lange bevor du mit bloßem Auge etwas Verdächtiges erkennst.
Alkohol in Kosmetik – gut oder schlecht?
Kaum ein Kosmetikinhaltsstoff wird so pauschal beurteilt wie Alkohol.
„Alkohol ist schlecht für die Haut“ ist genauso wenig hilfreich wie „Alkohol desinfiziert, also ist er immer gut“.
Entscheidend sind unter anderem Alkoholart, Konzentration, Rezeptur, Anwendungshäufigkeit und Hautzustand.
Ethanol kann in kosmetischen Formulierungen als Lösungsmittel eingesetzt werden und sorgt häufig für ein leichtes, schnell trocknendes Hautgefühl. In höheren Konzentrationen kann er jedoch entfettend wirken und empfindliche beziehungsweise trockene Haut reizen.
Gerade wenn du ohnehin zu trockener oder gereizter Haut neigst, solltest du alkoholreiche DIY-Produkte nicht unkritisch verwenden.
Tinktur oder Ölauszug – was passt zu deiner DIY-Kosmetik?
Vielleicht fragst du dich nun, ob du deine Ringelblumen lieber in Öl oder Alkohol legen solltest.
Das hängt vom geplanten Produkt ab.
| Du möchtest herstellen | Häufig sinnvoller |
|---|---|
| Salbe | Ölauszug |
| Balsam | Ölauszug |
| Körperöl | Ölauszug |
| Haaröl | Ölauszug |
| Massageöl | Ölauszug |
| Gesichtstonic | je nach Rezeptur Tinktur/Hydrolat |
| Kopfhaut-Tonic | je nach Rezeptur Tinktur |
| Spray | Tinktur oder anderer wasserlöslicher Extrakt |
| wasserfreie Lippenpflege | Ölauszug |
| Creme | abhängig von Rezeptur und gewünschtem Extrakt |
Manchmal kann sogar beides interessant sein. Eine Pflanze kann als Ölmazerat für eine Salbe und als alkoholischer Extrakt für ein anderes Kosmetikprodukt verarbeitet werden.
Häufige Fehler beim Herstellen von Kräutertinkturen
Unbekannten Alkohol verwenden
Du solltest wissen, welchen Alkohol du verwendest und welche Konzentration er besitzt. Vergällter Haushalts- oder Brennspiritus ist keine Alternative.
Die Pflanze nicht eindeutig bestimmen
Nur weil etwas hübsch am Wegesrand wächst, gehört es nicht automatisch in dein Kosmetikglas.
Verwende nur Pflanzen, die du sicher bestimmen kannst und deren kosmetische Verwendung geeignet ist.
Frische und getrocknete Kräuter gleich behandeln
Frische Pflanzen bringen Wasser mit und verändern dadurch das Verhältnis zwischen Wasser und Alkohol im Ansatz.
Keine Mengen notieren
Wenn eine Tinktur besonders gut gelingt, solltest du sie reproduzieren können. Wiege deshalb Zutaten und notiere deine Rezeptur.
Alkohol erhitzen
Ethanol ist leicht entzündlich. Offene Flammen, heiße Herdplatten und improvisierte warme Alkoholauszüge sind deshalb keine gute Kombination.
Die Tinktur für ein Konservierungsmittel halten
Ein bisschen Kräutertinktur macht eine wasserhaltige DIY-Creme nicht automatisch mikrobiologisch stabil.
Zu viel Tinktur verwenden
Mehr Pflanzenextrakt bedeutet nicht automatisch bessere Kosmetik. Auch Alkohol und Pflanzenbestandteile können Hautreaktionen auslösen.
Wie lange ist eine Kräutertinktur haltbar?
Alkoholische Tinkturen sind grundsätzlich wesentlich stabiler als ein einfacher Kräutertee. Eine konkrete Haltbarkeit lässt sich trotzdem nicht ohne Kenntnis der Rezeptur festlegen.
Sie hängt unter anderem von Alkoholkonzentration, Wassergehalt, Pflanzenmaterial, Herstellung, Lagerung und möglicher Verunreinigung ab.
Bewahre deine Tinktur gut verschlossen und lichtgeschützt auf und beschrifte sie mit dem Herstellungsdatum.
Verändert sich das Produkt ungewöhnlich, solltest du es nicht einfach weiterverwenden.
Kräutertinkturen sicher verwenden
Bevor du eine neue Pflanze großflächig auf deiner Haut verwendest, solltest du dich über mögliche Allergien, Sensibilisierungen und besondere Risiken informieren.
„Natürlich“ bedeutet nicht automatisch „reizfrei“.
Auch Pflanzen können Kontaktallergien oder andere unerwünschte Hautreaktionen verursachen. Bei empfindlicher Haut empfiehlt es sich deshalb besonders, neue Produkte zunächst vorsichtig an einer kleinen Hautstelle auszuprobieren.
Tinkturen sind zudem konzentrierte Pflanzenauszüge und sollten nicht mit der Vorstellung verwendet werden, dass eine höhere Konzentration automatisch eine bessere Wirkung bringt.
FAQ: Kräutertinkturen für DIY-Kosmetik
Was ist eine Kräutertinktur?
Eine Kräutertinktur ist ein flüssiger Pflanzenauszug, bei dem meist Ethanol oder eine Mischung aus Ethanol und Wasser als Extraktionsmittel verwendet wird.
Kann ich Kräutertinkturen selber machen?
Ja. Für einfache kosmetische Tinkturen kannst du geeignetes Pflanzenmaterial mit einem definierten Alkohol-Wasser-Gemisch mazerieren. Wichtig sind eine eindeutige Pflanzenbestimmung, sauberes Arbeiten und ein für den Zweck geeigneter Alkohol.
Welche Kräuter eignen sich für kosmetische Tinkturen?
Je nach geplanter Verwendung kommen beispielsweise Ringelblume, Kamille, Rosmarin, Lavendel, Salbei oder Brennnessel infrage.
Was ist besser: frische oder getrocknete Kräuter?
Beides ist grundsätzlich möglich. Getrocknete Kräuter sind für Anfänger häufig leichter zu verarbeiten, weil ihr Wassergehalt wesentlich geringer ist und sich die Zusammensetzung des Extraktionsmittels dadurch besser kontrollieren lässt.
Wie lange muss eine Kräutertinktur ziehen?
Die Extraktionsdauer hängt von Pflanze, Pflanzenteil, Zerkleinerung und Extraktionsmittel ab. Traditionelle Mazerationen werden häufig über mehrere Wochen durchgeführt.
Kann ich Kräutertinktur direkt auf die Haut geben?
Das solltest du nicht pauschal tun. Alkoholkonzentration und enthaltene Pflanzenbestandteile können die Haut reizen. Die Tinktur sollte passend zur vorgesehenen kosmetischen Anwendung formuliert und dosiert werden.
Konserviert eine Tinktur meine selbst gemachte Creme?
Nicht automatisch. Durch die Zugabe zu einer wasserhaltigen Rezeptur wird der Alkohol verdünnt. Ob die Konzentration für eine ausreichende Konservierung überhaupt geeignet wäre, müsste für die fertige Formulierung beurteilt werden. Eine kleine Menge Tinktur ersetzt deshalb kein durchdachtes Konservierungssystem.
Was ist der Unterschied zwischen Tinktur und Mazerat?
„Mazeration“ bezeichnet zunächst ein Extraktionsverfahren, bei dem Pflanzenmaterial in einem Lösungsmittel eingeweicht wird. Ein Ölmazerat verwendet ein fettes Öl als Auszugsmittel. Eine klassische Tinktur basiert dagegen meist auf Ethanol beziehungsweise einer Mischung aus Ethanol und Wasser.
Ist eine Tinktur dasselbe wie ein Kräutertee?
Nein. Ein Tee beziehungsweise Aufguss wird mit Wasser hergestellt und meist nur kurz extrahiert. Eine Tinktur enthält Alkohol und kann dadurch ein anderes Spektrum an Pflanzenbestandteilen aufnehmen.
Noch ein Fläschchen für deine Kräuterhexenküche
Kräutertinkturen erweitern die Möglichkeiten deiner DIY-Kosmetik erheblich. Neben Ölauszügen, Hydrolaten und einfachen Aufgüssen steht dir damit eine weitere Methode zur Verfügung, um Pflanzen für selbst gemachte Pflegeprodukte zu nutzen.
Dabei lohnt es sich, ein wenig tiefer in die Materie einzusteigen. Denn eine Tinktur ist mehr als ein Glas Kräuter mit Alkohol. Die verwendete Pflanze, der Pflanzenteil, das Verhältnis von Wasser zu Alkohol und die spätere Verwendung entscheiden darüber, was du am Ende tatsächlich in deinem Fläschchen hast.
Für Salben, Balsame und Körperöle ist ein Kräuterölauszug häufig die praktischere Wahl. Möchtest du dagegen einen alkoholisch-wässrigen Pflanzenextrakt für ein geeignetes Tonikum oder eine andere formulierte DIY-Kosmetik herstellen, kann eine Kräutertinktur interessant sein.
Und damit stehen in deiner Kräuterhexenküche schon zwei Gläser nebeneinander: das goldene Kräuteröl und die dunkle Tinktur.
Welche Pflanze darin landet, entscheidest du.